Natur, Spiritualität und Heilung
Persönlicher Blog – Ihr Zugang zu schamanischen Erlebnissen
Tauchen Sie ein in eine Welt der Naturverbundenheit und spirituellen Wissen.
In meinem Blog erhalten Sie inspirierende Einblicke aus meiner Welt des gelebten Schamanismus.

Es war mir eine große Ehre, als mein langjähriger Freund und Förderer Adrian Osswald mich bat, ein Nachwort für sein Buch „Die Weisse Eule“ zu schreiben. Es geht darin um Menschen, die ich sehr respektiere und liebe. Über viele Jahre hinweg habe ich tuvinische Schamanen begleitet und für sie gedolmetscht. Meine besondere Vorliebe galt dabei Großvater Saryglar, der mich zu seinen Lebzeiten „ältere Tochter“ nannte. Über ihn habe ich auch Adrian Osswald kennengelernt, den Großvater seinen „jüngeren Sohn“ nannte. Als meine Mutter 1996 starb, wollte ich die Trauerfeier für sie gern auf traditionelle Art gestalten. In der Sowjetzeit war das untersagt gewesen, aber nun durften wir wieder unseren alten Traditionen folgen. Das war neu und ungewohnt für mich, und ich war auf der Suche nach Informationen über die alten Rituale. Jemand riet mir, mich an den Leiter der schamanischen Klinik in Tuva zu wenden. Als ich dort durch die Flure zum Zimmer des Klinikdirektors ging, sah ich durch eine offen stehende Tür einen alten Schamanen, der in einem der Räume saß. Sofort sagte mir mein Gefühl, dass es eben dieser Schamane sei, den ich für die Zeremonie brauchte und den sich meine verstorbene Mutter gewünscht hätte. Doch leider folgen wir manchmal nicht unserem Gefühl, sondern unserem Kopf. So trug ich mein Anliegen zuerst dem Leiter der Klinik vor. Das erste Ritual, das sieben Tage nach dem Tod eines Menschen durchgeführt wird, war ein Fehlschlag – vieles gestaltete sich nicht so, wie es sollte. Das zweite Ritual jedoch, neunundvierzig Tage nach dem Tod meiner Mutter, verlief anders: Es war rührend, inspirierend und manchmal sogar erschreckend. Wir Hinterbliebenen hatten das Gefühl, dass meine Mutter selbst zu uns sprach und Auf Wiedersehen sagte. Dieses zweite Ritual hatte Großvater Saryglar durchgeführt. Im selben Jahr 1996 wurden vier tuvinische Schamanen unter der Führung von Professor Kenin-Lopsan nach Österreich und in die Schweiz eingeladen. Einer der ausgewählten Schamanen war Saryglar Borbak-Ool Duktug- Oolowitsch. Ich begleitete die Gruppe als Dolmetscherin. Während dieser Reise lernte ich Saryglar nicht nur als einen großen Schamanen, sondern auch als eine außerordentlich sensible und freundliche Persönlichkeit kennen, stets einnehmend und zu Späßen aufgelegt. Bei dem Seminar in der Schweiz, bei dem ich hauptsächlich für Saryglar übersetzte, bemerkte ich einen jungen Mann, der immer etwas abseits der anderen Teilnehmer von Saryglars Gruppe stand, aber die ganze Zeit an unserer Seite blieb. Schließlich fiel Adrian auch Saryglar auf. Ich erinnere mich, dass er zu mir sagte: „Bring mir diesen Jungen. Ich sehe ihn mit schamanischen Geschenken.“ Das war der Anfang einer faszinierenden Beziehung zwischen einem tuvinischen Schamanen aus Sibirien und einem jungen Schweizer. Saryglar erkannte Adrian als seinen Schüler und Sohn an. Von diesem ergreifenden Moment an nannten Adrian und ich Saryglar unseren Großvater und waren auf diese Weise miteinander und mit ihm verbunden. Mit der Zeit wurden wir zu vertrauten Freunden und einer Familie. Vieles unterschied diese beiden Männer, die so weit voneinander entfernt lebten: ihr Alter, die Kultur, aus der sie stammten, der soziale Status. Und doch hatten sie so viel gemeinsam. Sie trafen sich nur dreimal von Angesicht zu Angesicht. Verbunden waren und sind sie vor allem durch ihre Fähigkeit, das Schicksal und den Wunsch, anderen Menschen zu helfen. Obwohl sie sich nur drei Mal getroffen haben – in der Schweiz, in Deutschland und Tuva –, weiß ich sicher, dass sie sich sehr oft in ihren schamanischen Reisen und Träumen begegnet sind. Lange Jahre durfte ich als Bindeglied zwischen den Beiden dienen und gab mein Bestes als Übersetzerin. Adrian teilte mit Großvater und mir seine Zweifel, seine Erlebnisse, die Resultate der aufgetragenen Übungen und durchgeführten schamanischen Rituale. Großvater wiederum teilte mit Adrian und mir seine Erfahrungen und sein Wissen, seine Liebe und sein Mitgefühl für die Menschen. Für mich war das nicht immer einfach, denn oft wussten die Beiden die jeweiligen Antworten bereits, bevor ich diese per Telefon übermitteln konnte. In diesen langen Jahren entstand das Ritual „Die Weisse Eule“ und reifte in Adrian heran. Sicherlich wurde er dabei von verschiedenen Seiten beeinflusst, nicht zuletzt von Großvater. Aber im Tiefsten wurde dieses berührende und hilfreiche Ritual von den Geistern gegeben. Nach einer langen Zeit des Nachdenkens, der Zweifel, des Lernens und schließlich der Verbundenheit hat Adrian seine Aufgabe angenommen, dieses schamanische Ritual durchzuführen. Es freut mich, dass er die Geschichte der Entstehung des Rituals nun niedergeschrieben hat, und wünsche mir, dass es viele Menschen in ihrem Innern erreichen wird. Tuva, im Januar 2014 Rollanda Kongar (ehemalige Assistentin von Professor Mongush Kenin-Lopsan am Research Center for Shamanic Studies in Tuva) Auszug aus Die Weisse Eule Adrian Osswald Dieses Material ist urheberrechtlich geschützt. Das Buch ist beim Autor erhältlich

Adrian ist ein Wanderer zwischen den Welten. Er hat mich als Seelenwesen vor ca. 20 Jahren erkannt und damit die Reise zu mir selbst initiiert. Wenn du glaubst, Adrian löst jedes Problem für dich, muss ich dir sagen, du liegst falsch. Ich denke, er weiss, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg gehen darf. Er steht dabei hinter dir oder erscheint dir im Traum und behält dich im Blick, so dass du in deinem Tempo dein spirituelles Wachstum mit seiner Unterstützung beginnen kannst. Er gibt dir Werkzeuge an die Hand, damit du eigenmächtig wirst. Es kann schon mal vorkommen, dass du tiefe Täler durchschreitest oder gegen Dämonen kämpfst, dir deine innere Landkarte erstellen sollst oder ohne Fallschirm fliegen darfst. Adrian fängt dich da auf, wo es für dich nötig ist. Denn, wenn er ja zu dir sagt, dann kannst du seinem Wort vertrauen. Du wirst in ihm das sehen, was der Spiegel dir zeigt. Ob Eule, Schamane, Mensch, Farbe oder Drache. Er kann sich dir in vielen Gewändern zeigen, denn er ist wandelbar. Für mich ist Adrian der wichtigste Lehrer auf meinem Weg, denn als ich so sein wollte wie er, warf er mich auf mich selbst zurück und half mir dadurch, mich selbst zu finden. Was ich durch ihn erlebt habe, sei es Telepathie, Arbeit mit den Elementen oder Ortskräften, Rituale und das Erschaffen von Elementarwesen, ist mit dem Verstand nicht zu begreifen. Damals begegneten wir uns in der nichtalltäglichen Wirklichkeit. Dort ist das alles eben Alltag. Danke dafür.

Interview von M. Lehn, 10 Februar 2002 M. Lehn: Herr Osswald, wie kamen Sie dazu, schamanische Praktiken auszuführen? Wenn man unter schamanischen Praktiken neben heilende Handlungen und „Voraussehen" auch soziale Funktionen versteht, dann hatte ich schon als Kind diese Fähigkeiten. So mit acht Jahren hatte ich vor allem Vorausträume, also Träume deren Handlungen oder auch Einzelaspekte dann tatsächlich in unserer Realität eintrafen. Als Kind und Jugendlicher fiel ich dadurch auf, dass ich grossen positiven Einfluss auf die jeweiligen Klassen hatte, in denen ich mich befand. Das heisst, heikle gruppendynamische Prozesse beruhigten sich durch meinen Einfluss wieder. Als Zuhörer, Ratgeber und Erzähler war ich erfolgreich. Durch Handauflegen konnte ich Kopfweh entfernen. Immer wieder gab es vereinzelte, aber verblüffende Heilerfolge bei Tieren und Menschen. Dabei war mir all dies unerklärlich, zeitweise hatte ich auch grosses Unbehagen bis Angst vor diesen Möglichkeiten und Kräften. So wandte ich mich immer wieder davon ab, ich wollte nichts damit zu tun haben. Wurden Sie zum Schamanismus berufen (wenn ja, durch wen oder was?) oder haben Sie sich selbst dazu berufen? Ich denke, ich wurde berufen und habe mich selbst dazu berufen. Ich möchte dies gar nicht so sehr gegeneinander ausgespielt sehen. Die Frage müsste für mich eher lauten: Drängten Sie ihre eigenen Fähigkeiten dazu, sie auch produktiv zu nutzen? Da würde ich sofort ja sagen. Ich glaube, dass die spirituelle Fähigkeit eine menschliche Möglichkeit ist, wie Lesen, Rechnen oder Schreiben etc. So sind diese Möglichkeiten bei verschiedenen Menschen verschieden stark ausgeprägt anzutreffen. Bei uns wurde die spirituelle Fähigkeit aber über Jahrhunderte massiv unterdrückt, durch Verfolgung oder durch Lächerlichmachen. Darum sind sie uns nicht oder kaum bekannt. Die spirituelle Möglichkeit lässt einen nicht in Ruhe. Wenn jemand mit Begabung diese nicht produktiv nutzt, verdrehen sie sich in zerstörerische Kräfte. Die betroffene Person wird dann krank. Diese Kräfte können einem „von aussen herkommend" erscheinen; Tatsache ist, dass sie durch die Person wirken und daher lässt sich meiner Meinung nach nicht schlüssig verneinen, dass die Kräfte immer auch dem Willen und den Emotionen der Person entspringen und entsprechen. Soweit ich aus eigener Erfahrung, durch Gespräche mit anderen westlichen schamanisch Tätigen und traditionellen Schamanen aus Tuva sowie durch Angelesenes sagen kann, gibt es im Leben von Schamanen und Schamaninnen einen Punkt, wo sie die Kräfte und ihre Fähigkeiten akzeptieren und annehmen. Genau genommen berufen sie sich in diesem Moment selbst zum Schamanen. In traditionellen Gemeinschaften kommt dann dazu, was die Gemeinschaft über diese Person sagt. Schamane sein hat dann eine äussere Komponente, wird von der Gemeinschaft am Erfolg gemessen und schliesslich bestätigt oder verneint. Traditionelle Gemeinschaften erkennen schamanische Fähigkeiten und die Möglichkeit besteht für einen auf diese Weise Begabten, einen Lehrer oder eine Lehrerin zu erhalten - eben die älteren Schamanen oder Schamaninnen. Bei uns war das lange nicht der Fall und so mussten Menschen aus dem Westen entweder zu Stammesgemeinschaften irgendwo auf der Welt reisen, an Workshops von angeblichen und richtigen traditionellen Schamanen teilnehmen oder sich das ganze selbst durch Erfahrung und/oder aus der vorhandenen Literatur aneignen. Kurz und gut: aus meiner Sicht wird jemand durch seine ausgeprägte Fähigkeit zur spirituellen Wahrnehmung sowie durch die Nutzbarmachung dieser Fähigkeit für seine Umwelt zum Schamanen. Er wird also durch seine Fähigkeit berufen. Die Nutzbarmachung dieser Fähigkeit beinhaltet an einem gewissen Punkt immer die bewusste Entscheidung, dies auch tatsächlich tun zu wollen. In diesem Moment beruft sich der Mensch selbst zum Schamanen. Es ist also sowohl als auch. Wie sah ihre Initiation aus, wie erlebten Sie sie? Ich erlebe so was wie eine fortwährende Initiation. Doch bezeichnend ist auch bei mir die ehemals ablehnende Haltung gegenüber dieser Fähigkeit und die daraus resultierenden Unannehmlichkeiten. Dies äusserte sich bei mir in der Adoleszenz als eine drei Jahre andauernde neurotische Depression. Die Rücken- und Magenleiden, die bislang immer noch anhalten, melden sich auch immer dann besonders heftig, wenn wieder eine weitere Initiation, also ein weiterer Schritt auf meinem Weg, ansteht, den ich nicht gewillt bin zu tun. Mit dem generellen Annehmen der schamanischen Fähigkeit verschwand die Depression gänzlich, ich gehe daher auch davon aus, dass bei mir die Magen- und Rückenprobleme eines Tages weg sein werden. Welche Phänomene des Schamanismus wenden Sie praktisch an? (z.B. Heilpraktiken oder Flugreisen, ...) Seelenrückholung, Extraktion, Psychopompos, Divination, Arbeit mit Naturgeistern, es geht dabei immer um Energieausgleichung zwischen einem Individuum oder eine Gruppe mit dem Universum, respektive mit dem Ganzen. Dabei kann es sich auch um Orte (z.B. Häuser) oder auch um Tiere handeln. Wie bringen Sie sich in Trance? Mit Ringtrommel oder Rassel, Singen, Tanzen oder einfachem Innehalten und mich auf eine Sache konzentrieren. Haben Sie einen Hilfsgeist/ ein Krafttier? Wenn ja, mehrere und/oder immer den/die gleichen? Wie sieht es aus? Ich habe zwei Hauptkrafttiere und daneben viele Hilfsgeister. In der Regel haben diese die Form von in unserer Realität existierenden wildlebenden Tieren oder sind von menschlicher Gestalt. Es gibt da aber auch mythologische Gestalten wie Drachen, Einhörner, Zwerge, Elfen, Kobolde usw. oder so was wie „Energienebel" oder Farbkonzentrationen, Klänge bis hin zu Melodien. Seit ich die Technik des schamanischen Reisens bewusst anwenden kann, erschliessen sich mir unsere Märchen und Sagen auf eine ganz neue Art und Weise. Welche Merkmale muss ein/e Schamane/in in unserer Zeit besitzen, resp. welche Voraussetzungen muss er/sie erfüllen? Schamanen sind auf der ganzen Welt „normale" Menschen, welche in bestimmten Situationen zum „Schamanen" werden, also ihre alltägliche Persönlichkeit zugunsten der nichtalltäglichen, schamanischen Persönlichkeit ablegen mit dem Zweck, für jemanden in der spirituellen Welt Hilfe, Kraft und Rat zu erlangen, dort wenn nötig auch dahingehend zu wirken, um dann in die alltägliche Wirklichkeit zurückzukehren, die schamanische Persönlichkeit abzulegen und wieder die alltägliche Persönlichkeit anzunehmen. Seine Tätigkeit bewirkt ein für die ratsuchende Person oder auch Aussenstehende subjektiv oder objektiv erkennbare Veränderung der Situation. Ist dies nicht der Fall, dann handelt es sich nicht um einen Schamanen. Wir WestlerInnen sind versucht, in Schamanen und Schamaninnen „Heilige" zu sehen, also weitgereifte Menschen mit ethisch unanfechtbarem Verhalten. Dies ist Unsinn. Schamanen sind alltägliche Personen wie du und ich und oftmals auch machthungrig. Die Schamanische Fähigkeit ist eine Gabe, bei der man es sicherlich zur Meisterschaft bringen kann. Oft geht damit auch einher, dass sich die Sichtweise auf das, was das Leben sein soll, drastisch verändert und die Personen so im ethischen Sinne reifer werden. Doch dies heisst nicht, dass alle Schamanen in jeder Situation und zu jedem Zeitpunkt „richtig", „gut" und ethisch hochstehend" handeln. Vergessen wir nicht: Schamanen und Schamaninnen sind Menschen. Kleiden Sie sich speziell, wenn Sie eine schamanische Sitzung durchführen? Wenn ja, wie? Nein, ich kleide mich nicht speziell, auch wenn mir mein tuvinischer Grossvater und Lehrer Saryglar Borbak-Ool gerne seine schamanische Attribute (Mantel, Kopfputz und Messingspiegel) fürs schamanisieren Schmackhaft machen möchte. Welche Bedeutung, denken Sie, hat der Schamanismus für unsere Gesellschaft und in unserer Kultur? Schamanismus gab es auch bei uns in Europa, bei den Samen in Lappland ist er nie ganz ausgestorben, obwohl er auch dort verfolgt wurde. Wenn ich richtig informiert bin, dann war das Besitzen einer schamanischen Ringtrommel in Schweden bis 1987 verboten. Bei uns in der Schweiz glaube ich noch Anzeichen für einen vergangenen Schamanismus zu finden, oder zumindest für Anzeichen aus heidnischen Kulturen, welche den Schamanismus auch praktiziert haben. So wird das Verschütten von Milch als Gabe an Gott (oder eben die Geister) auf manchen Alpen noch praktiziert, im Baselbiet traf ich als Kind noch einen alten Bauern, welcher nicht allen Weizen erntete und ein kleines Stück am Feldrand stehen liess. Er meinte, dies habe schon sein Grossvater so gemacht. Für mich ein typisches Ritual, welches wir auch im Schamanismus wieder finden. Wir geben was, um etwas zu erhalten. Schamanismus führt uns zu unseren Wurzeln, also auch zu unseren vorchristlichen Wurzeln. Wir können lernen, mehr Ehrfurcht vor der Natur zu haben. Schamanismus führt uns aber nicht zwangsläufig weg aus dem christlichen oder einem anderen Glauben. Er kann einem im Gegenteil die spirituellen Aspekte seiner bisher gelebten Religion näher bringen. Schamanismus betont, dass wir Menschen nicht nur rationale und emotionale Wesen sind, sondern auch eine spirituelle Seite haben. Welche ungewollten Probleme können bei einer schamanischen Handlung auftreten? Vorweg muss ich sagen, dass ich jedermann rate, ärztliche und psychiatrische Behandlungen auf keinen Fall abzubrechen. Schamanische Rituale sehe ich als Ergänzung und nicht als Ersatz für unsere westliche Medizin. Ich habe noch keine ernsthaften Probleme erlebt, noch ist mir persönlich ein Fall bekannt. Allerdings kann die Wirkung einer schamanischen Handlung nicht immer voraussehbar sein. So kann eine Differenz darin bestehen, was eine hilfesuchende Person sich im Kopf zurechtgelegt hat und was sie innerlich bereit ist zu verändern. Schamanismus arbeitet mit dem inneren Menschen, also mit dem, was der Mensch innerlich bereit ist zu verändern. Als Beispiel kann ich hier folgende Begebenheit erzählen. Ein Frau kam mit ihrem dreijährigen Kind zu mir. Ich hatte ihr in den Jahren zuvor immer wieder gut helfen können und so bat sie um ein Ritual für sich selbst (sie fühlte sich ausgelaugt) und für ihr Kind, welches ihren Angaben zu folge ärztlich diagnostiziertes Asthma hatte. Ich habe zwei separate Rituale für die beiden gemacht, wobei ich beim Kind feststellte, dass die Energie, welche sein Asthma auslöste, von aussen kam. Meine spirituellen Verbündeten teilten mir mit, dass ich zum Wohle aller diese Energie mit einem Spiegel dorthin zurücklenken sollte, woher sie kam. Dies tue ich im Normalfall nie und war skeptisch, doch meine Verbündeten bestanden darauf. Bevor ich mit dem Ritual weiterfuhr, unterrichtete ich darum die Mutter des Kindes und sie wollte trotz meiner Bedenken, dass ich weiter machte. Zwei Wochen später informierte mich die Frau, dass ihr mein Ritual nichts gebracht habe, sie hätte eine furchtbare Angina eingefangen und sei völlig erschöpft. Auf meine Nachfrage bestätigte sie, dass das Kind ab dato keinen Asthmaanfall mehr gehabt habe (und soweit ich weiss, bislang auch keinen mehr hatte). Ihre innere Bereitschaft zu ihrer eigenen Heilung war nicht dasselbe, wie das, was sie in ihrem Kopf zurecht gelegt hatte. Diese Angina gehörte als heilende Reaktion zu ihrem Prozess, den sie durchlief. Aber unter Heilung verstand sie (oder ihr Kopf) die sofortige Befreiung aus üblen Umständen. Daher wollte sie auch nicht weiter zu mir kommen. Gab es bei Ihnen schon einmal Probleme bei der Praktizierung einer schamanischen Handlung? Wenn ja, welche? Dies habe ich ihnen soeben beantwortet. Hatten Sie schon einmal Kontakt zu einem traditionellen Schamanen? Wenn ja, wie war diese Erfahrung für Sie? Inwieweit haben Sie davon profitiert? Ja, ich habe Kontakt zu Schamanen und Schamaninnen aus der autonomen russischen Republik TUVA, welches in Zentralasien respektive Südsibirien liegt. Der geographische Mittelpunkt Asiens liegt tatsächlich in Tuva. Seit 1996 bin ich Adoptivsohn und Schüler des angesehenen Tuvaschamanen Saryglar Borbak-Ool. So habe ich einiges lehren können, allerdings nicht so sehr über traditionellen tuvinischen Schamanismus und wie diese nun ganz genau dieses und jenes Problem angehen würden. Vielmehr lernte ich, meiner eigenen Intuition, meinen eigenen Eingebungen zu vertrauen. Er hat mir also beigebracht, mir selbst und meinen Fähigkeiten zu vertrauen. Ich denke, auch er hat von mir profitiert und all diese gegenseitige Hilfe hat uns zusammen gebracht. Mittlerweile kenne ich auch einen Teil seiner Familie und auch sie sind mir ans Herz gewachsen. Wieso, denken Sie, ist der Schamanismus vielerorts so vielen Vorurteilen ausgesetzt und wird als „Hokus Pokus" abgetan? Wie würden Sie solche Leute vom Gegenteil überzeugen? Ich glaube, von aussen gesehen ist alles vorhanden, was wir aufgeklärten WestlerInnen als „HokusPokus" identifizieren: da geht jemand umher, trommelt oder rasselt, hat sich verkleidet und gibt komische Laute von sich. Er oder sie ruft irgendwelche nicht nachweisbare Kräfte an und benimmt sich auch sonst daneben. Bestenfalls würden wir dies noch als Fasnachtsgäck ansehen, wäre da nicht die Behauptung im Raum, dass jemandem mit diesem Schwank geholfen werden soll. Wenn tatsächlich eine Besserung eines Leidens eintritt, dann ist dies nach westlichen Erklärungsmodellen nicht erfassbar, oder vielleicht noch am ehesten als sogenannter Placeboeffekt. Wobei der Placeboeffekt nicht als Selbstheilungskraft des Patienten attestiert, sondern eher zur Abwertung des Geschehenen beigezogen wird. Natürlich ist es so, dass es im Schamanismus kraftvollere und weniger kraftvolle Schamanen und Schamaninnen gibt und entsprechend fallen die Erfolge aus. Natürlich gibt es auch in diesem Fachgebiet wie anderswo auch, Menschen, die „so tun als ob", also Scharlatane sind. Schamanismus hat aber auch das Potential in sich, jemandem die Welt in einer anderen Sichtweise zu erschliessen. Und so ist es möglich, dass ich einen eigenwilligen Standpunkt in religiösen oder sozialgemeinschaftlichen Aspekten einnehme, welche sich mit der Herkunftsreligion oder den Ansichten der Herkunftsgemeinschaft nicht zu decken braucht. Ein kleiner Hauch von Anarchismus ist hier unverkennbar. Dies kann ganz einfach Angst beim Gegenüber auslösen. In der Regel wird auf Angst mit Flucht- oder Abwehrtendenzen reagiert, also mit Ablehnung. Schamanismus in Europa hat auch eine über hunderte Jahre intensiv betriebene Verdrängung, Verfolgung und Ausrottung sowie Lächerlichmachung zu überwinden. Dies hat sich bei uns allen tief in unser Wissen und Gewissen eingegraben. Schamanismus wieder zu entdecken ist für uns Europäer daher auch ein ganz persönlicher innerere Kampf mit uns selbst. Ich habe nicht vor, missionarisch zu wirken und Menschen zum Schamanismus zu bekehren. Daher liegt es mir fern, jemanden vom Gegenteil seiner Überzeugung überzeugen zu wollen. Wenn jemand aber den Mut und die Bereitschaft aufbringt, sich auf ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang einzulassen, dann würde ich versuchen, diesem Menschen die schamanische Reise beizubringen, damit er nach und nach seine innere Welten und die inneren, spirituellen Begebenheiten der Welt kennen lernen kann. Herr Osswald, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Es war noch vor meiner Zeit als schamanisch Praktizierender, als unser Zwerghase plötzlich seinen Kopf zur Seite hängen liess und sich nicht mehr aufrecht auf den Beinen halten konnte. Jeden Tag - es ging alles sehr schnell - wurde es schlimmer, so dass er bald immer auf seine Seite fiel, kaum hatte er sich aufgerappelt. Ich ging mit dem Hasen zum Tierarzt. Dieser kam zum Schluss, dass man das Tier einschläfern sollte. Er diagnostizierte eine unheilbare, tödlich verlaufende Nervenkrankheit. Auf meine Bitte, dass ich ihn doch nochmals nach Hause mitnehmen wollte, erwiderte der Arzt trocken, dass sich der Hase bei nächster Gelegenheit sein dem Boden zugewandtes Auge an einem Strohhalm ausstechen werde. Das sei wohl - eben auch gerade für Kinder - nicht eben ein schöner Anblick. Zudem leide der Hase, man sollte ihn erlösen. Ich insistierte durch eine plötzliche Eingebung und nahm ihn mit nach Hause, nachdem ihm der Tierarzt murrend noch eine Vitamin-B-Spritze injiziert hatte. Ich besuchte zu diesem Zeitpunkt einen Traumzirkel bei einem älteren Mann. Er beschäftigte sich schon sehr lange mit Traumdeutung. Einer meiner Grossträume - wie ich sie für mich insgeheim seit Jahren nannte - und die Auslegung der Bedeutung dieses Traumes durch eben diesen Mann war mir beim Tierarzt in den Sinn gekommen. Der Traumspezialist war klar der Meinung, dass ich einen Reinkarnationstraum gehabt und darin eine Initiation zum Schamanen erfahren hätte. Er war ganz beeindruckt. Er hat mir kurz erklärt, dass Schamanen sowas wie Geistheiler seien. Für mich eröffnete sich hier nun eine Gelegenheit, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen, gewissermassen im privaten Rahmen zu überprüfen. Zu Hause brachte ich meinem fünfjährigen Sohn erst einmal schonend bei, dass unser Zwerghase wohl sterben wird. Ich wolle jedoch versuchen, ihm durch Zuwendung zu helfen. Sachte schob ich dabei meine linke Hand unter den Körper des Zwerghasen und hielt meine rechte Hand wenige Zentimeter über ihn, so dass er nun zwischen meinen Händen lag. Ich sprach zu ihm, zu mir und zum Himmel. Ich war seltsam ruhig und gewiss, daran erinnere ich mich am stärksten. Ich bat darum, dass der Hase gesunden soll. Nach einer Weile bettete ich den Hasen wieder zurück auf seinen Platz, wo er zuvor gelegen hatte. Am nächsten Morgen ging der Zwerghase umher, zwar noch immer mit schiefem Kopf, aber er ging und konnte sich aufrecht halten. Ich war erstaunt und doch auch nicht. Ich rief den Tierarzt an und der verlangte den Hasen zu sehen. «Da haben Sie Glück gehabt», meinte er. «Die Vitaminspritze muss wohl doch gewirkt haben», erwiderte ich. Er schaute mich einen kurzen Augenblick eigentümlich an. Dann sagte er: «Wer weiss, bislang hat bei dieser Krankheit nichts geholfen - auch nicht hohe Dosierungen Vitamin B». Ich ging nach Hause und wusste nicht, was ich glauben sollte. Die Spritze wird es wohl doch gewesen sein, oder der Arzt hatte eine falsche Beurteilung am Vortag gemacht, was wusste ich. Und so schlug ich die Möglichkeit, ein Geistheiler zu sein, weiterhin aus. Der Hase aber lebte noch einige Jahre weiter. Inzwischen hatte ich damit angefangen, Schamanismus zu erlernen und zu praktizieren. Eines Abends, als ich nach Hause kam, lag er dann wieder in seinem Laufkäfig. Dies tue er schon seit dem Morgen, liess mich meine Frau wissen. Ich brachte ihm Wasser, welches er mühsam trank. Wieder nahm ich ihn zwischen meine Hände, sprach zu ihm, zu mir und dem Himmel. Plötzlich hatte ich die Gewissheit, dass er nun sterben würde. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, aber die mir bekannte Ruhe und Gewissheit war da. Der Hase hob seinen Kopf, schaute mich an, legte sich zurück und stiess seinen letzten Atem aus. So starb er, ganz ruhig und Jahre nach meiner ersten schamanischen Erfahrung mit ihm. Heute ist mein damaliges intuitives Wissen zur Gewissheit gereift, dass ich ihm in diesem Moment auch geholfen hatte. Ich hatte ihm geholfen, abzuschliessen und loszulassen. Und er hatte mir zum zweiten Mal die Gelegenheit geboten - unter Einsatz seines Lebens - schamanisch zu lernen. Er war ein guter Lehrmeister und dafür bin ich ihm dankbar. Lommis, Sommer 1998

Liebe Leserin, lieber Leser
Du musst wissen, dass ich mich gerne drücke, wenn es darum geht, mich ins Licht zu stellen und das zu übernehmen, wofür ich hier zu sein scheine. Ich leide darunter, angegriffen zu werden, wäre viel lieber von jedermann geliebt, möchte es lieber allen recht machen. Jemand, der sein Licht nicht mutlos unter einen Scheffel stellt - wie mal geschrieben stand - bietet Fläche für Projektionen jeglicher Art. Und all diese Projektionen, ob "gute" oder "schlechte", sind ausnahmslos eine Belastung; die für mich schlimmste Projektion wäre wohl meine Erhebung zu dem was ich bin: Schamane. Denn was ein Schamane alles zu sein hat, ist eine Projektion des jeweiligen Betrachters. Soweit ich weiss, sind Schamanen und Schamaninnen in erster Linie aber alle ganz bestimmt etwas: Menschen aus Fleisch und Blut.
Meine Erzählungen sind darum immer persönlich geprägt, weil ich es war, die sie erlebt hat. Trotzdem gehen meine Wahrnehmungen über die psychologische Grenze hinweg, es ist auf diese unsere we

Liebe Leserin, lieber Leser
„Ich danke dir, du stolzer Mäusebussard, denn du hast mich und mein Kind beschützt. Wie eilig ich es hatte, zu spät dran und mit überhöhter Geschwindigkeit den Weg fahrend, den ich schlafend fahren könnte. Von deinem Zaunpfahl aus hast du dich mir in den Weg geworfen, direkt vor die Windschutzscheibe. Du hast mich gezwungen, mein Tempo auf 40 km/h zu drosseln, bevor du wegzogst, um dich wieder auf deinen Pfosten zu setzen, wo ich dich immer grüße, wenn ich vorbeifahre. Schon wollte ich wieder beschleunigen, da raste einer um die Kurve, auf unserer Spur, zuvor nicht sichtbar und knapp vor uns auf seine Spur wechselnd. Schon war er weit weg, und du schautest uns nach, in meinem Rückspiegel entschwindend. Kurz traf mich der entsetzte Blick des mir entgegenkommenden und vom Schnellfahrer überholten Automobilisten. Dann war da der Alltag wieder, und fast hätte ich es vergessen, dir zu danken. Wie schön, dass ich dich kennen darf, du selbstlos handelndes Geschöpf.“
Ich danke dir, Buteo

Waldgeister Mein letzter Holzschlag, ganz allein, der Förster kommt nur alle zwei bis drei Tage vorbei, um den Fortgang der Arbeit zu besichtigen und die geschlagenen Stämme einzumessen, zu qualifizieren und für den Verkauf vorzubereiten. Er ist wie üblich in diesen Tagen schlecht gelaunt, spricht kein Wort mit mir, ruft mich - wie die letzten Male auch - zu sich, um kurz und bündig zu sagen: «Du hast wieder vermessen, Sternchen nochmal!» Dann rauscht er ab, den Bann über mir lassend. Ich messe ungläubig nach, messe nochmals und nochmals, kontrolliere mein Messband auf Fehler. Es stimmt. Der Stamm ist wieder zu kurz abgesägt, obwohl ich vor dem Schnitt viermal gemessen habe, um ja nicht wieder falsch zu schneiden. Wieder mehrere hundert Franken Schaden angerichtet. Ich bin zerknirscht, verunsichert, wütend - aber auf wen? In diesem Holzschlag stehen Fichten auf einem leicht abfallenden Gelände. Ich soll sie hinunter Richtung Waldweg fällen, sie stehen bolzengerade, alles kein Problem. Doch acht der Bäume fallen 180 Grad nach hinten mitten in einen Lärchenjungwuchs, was natürlich beträchtlichen Schaden anrichtet. Die Waldbesitzer, der Förster, die helfenden Bauern, welche mit ihrem Traktor die gefällten Stämme aus dem Schlag ziehen; alle verstummen, sagen nichts mehr zur Katastrophe, welche sich da vor ihren Augen abspielt und jeden Tag zunimmt. Eines Tages dann der erlösende Unfall. Der straff gespannte Seilzug an einer geradestehenden Fichte reisst, der Hebel des Zugapparates schlägt mir auf den Daumenballen. Dieser nimmt sofort die Grösse eines Tennisballs an. Fertig gearbeitet. Die anderen räumen noch auf, während ich krankgeschrieben bin. Ich schäme mich halb zu Tode, möchte am liebsten in den Boden versinken. Ich habe schlimmer als irgendein Nichtskönner gearbeitet. Ein halbes Jahr später gelingt es mir, auch durch die Erfahrung mit einem Baum, mich mit zurück erhaltenem Gesicht aus dem Waldarbeiterberuf zu verabschieden. Zu diesem Zeitpunkt habe ich schon den ersten Teil der mehrtägigen Zulassungsprüfung zur Försterschule in Lyss absolviert. Doch meine Rückenschmerzen sind übermächtig, ich kann nicht mehr. Bei diesem Baum, welcher ganz nahe am ehemaligen Holzschlag steht, handelt es sich um eine mächtige Buche. Vier Männer mit ausgestreckten Armen können sie gerade knapp umfassen. Die Krone ist riesig, ein Allerweltsbaum. Die anderen Profis und die Bauern wollen mich den nicht umtun lassen, weil sie ja von meinem Schandschlag wissen. Ich bestehe darauf, natürlich auch, um meine Ehre als Forstwart zu retten, aber auch deshalb, weil ich meine Angst, wieder zu versagen, überwinden will. Die Fällaktion ist äusserst knifflig, der Baum muss ums Eck gefällt werden, was höchste Konzentration und Wissen voraussetzt. Ich spreche mit dem Baum. Ich sage ihm, dass der, welcher mich hier ihn fällen lässt, mich eines Tages fällen wird. Ich sage ihm, dass es mir leid tut und bitte ihn, mir zu verzeihen. Ich bitte ihn, mir zu helfen, dass ich meine Angst überwinden und meine Ehre wieder herstellen kann. Der Baum hilft mir. Er fällt um die Ecke, macht dabei nichts kaputt, mit was niemand gerechnet hat. Er liegt auf den Zentimeter genau auf der Stelle, wohin er fallen sollte. Nicht nur ich bin sprachlos. Auch dieses Mal bleiben sie stumm, meine Profi-Kameraden. Der Spott bleibt ihnen im Halse stecken. Trotz dieses Erfolges gelingt es mir danach dreizehn Jahre lang nicht, an diesen Ort zurückzukehren. Fast gleich lang kann ich darüber nicht einmal reden. Ich schäme mich zu sehr und zudem kann ich nicht erklären, was da abging. Doch heute weiss ich es, und darum gelingt es mir, zurückkehren. In meiner Zeit als Forstwart wusste ich wenig von der Existenz von Waldgeistern, geschweige denn von Ortsgeistern. Als ich nun ein Ritual abhalte, um mich mit dem Ortsgeist zu versöhnen, spüre ich plötzlich eine starke Kraft um mich, welche sich am Ende des Rituals als Waldgeist zu erkennen geben wird. Er führt mich kreuz und quer durch die 13 Jahre alten Laubbäumchen, ein ziemliches Dickicht. Ich begreife: Ich streife die alte Geschichte ab. Plötzlich sind da viele kleine Baumgeister, welche begeistert klatschen. Doch ich verstehe erst, als mich der Waldgeist zu einem umgestürzten, in dem Dickicht liegenden Baum bringt. Da setzt er sich darauf, lacht und sagt: «Du hast die Arbeit des Windes gemacht, wenn auch ein paar Jahre zu früh! Wir danken Dir, denn schau die Jungschar an! Die Lärchen wachsen auch immer noch, trotz des Schadens, den es damals gegeben hat. Ich hatte dir übel zugesetzt! Nun hast auch du eine Jungmannschaft. Es ist doch schön, dass wir uns so wieder treffen! Alles hat sich zum Guten gewandt!» Darauf verschwindet er, das Dickicht rauscht im Wind und es ist mir, als ob ich die Baumkinder immer noch lachen und klatschen höre. Die haben mich tatsächlich als ihren Schöpfer gefeiert! Ich bin erschüttert. Ich macht mich auf den Weg zurück zu meiner Familie und zu unserem Auto und höre die Kleinen schon von weitem streiten. Als ich unmittelbar neben meinem alten Holzschlag aus dem Dickicht trete, gelange ich auf eine grosse, leere Fläche. Beim genauen Betrachten kann ich erkennen, dass hier vor wenigen Jahren der Wind geholzt hatte. So wie es der Waldgeist gesagt hatte. Nun, was soll ich da noch beifügen. Ich bin dankbar, dass mich die Bäume immer noch lehren. Urdorf, im Frühjahr 2000
