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Träume

© Adrian Osswald (bitte "zum Geleit" lesen)

Wie wir wissen, sind Träume für unsere Gesundheit so wichtig wie genügend Schlaf. Alle Menschen träumen, doch nicht alle erinnern sich am Morgen daran. Oft sind träume ein "Nachspielen" von Erlebnissen im Wachzustand. Doch durch alle Zeiten und in allen Kulturen wurden Träume auch als besonderer Zugang zum Göttlichen, zu der Anderswelt, zu der Welt der Götter, Geister und Ahnen gesehen. Propheten haben göttliche Eingaben im Traum, Menschen erhalten von "höheren Wesen" oder ihrem "wahren Ich" Anleitungen für ihre Alltagsgestaltung. Im schamanischen Hintergrund ist das auch so.

Bevor ich die schamanische Reise bewusst beherrschte, erhielt ich Antworten auf meine Fragen im Traum und ich erlebte "schamanische Reisen" auf diese Art. Ich wusste damals nichts von Schamanismus, welcher heute in vieler Menschen Munde ist. Doch ich wusste es stets, wenn ich einen solchen Traum  erlebt hatte. Die Qualität solcher Träume sind fühlbar anders. Für mich nannte ich diese Art von Träumen schon als Kind "die grossen Träume" oder "Grossträume".

Da solche "grossen Träume" auch für meinen schamanischen Weg wichtig waren und sind, möchte ich hier eine kleine Auswahl solch für mich wichtiger Träume ins Netz stellen. Dies ist im Zusammenhang mit meiner Grund-Absicht zu verstehen, Interessierte ein Stück weit ihres eigenen Weges zu begleiten, einen Anstoss zu geben oder die Möglichkeit zu bieten, Anstoss an mir zu nehmen. Es ist auch so zu verstehen, dass ich dafür plädiere, dass Menschen ihre Gross-Träume ernst nehmen sollen und dürfen. Oft erhalten wir wunderbare Anweisungen und Antworten im Traum ("Gott schenkt es den Seinen im Schlafe"!) und tun das als "es war ja nur ein Traum" ab.


Der Weg des Schamanen

 
 
 Im Übergang von meinem 13ten zu meinem 14ten Lebensjahr (1977) hatte ich einen Traum, welchen ich sofort als bedeutend einstufte. Erst Jahre später wurde mir klar, dass ich eine schamanische Initiation erlebt hatte, sehr beängstigend und aufregend.

Mitten auf der St. Jakobskreuzung zwischen Basel und Muttenz ist da mit einem Mal eine Fussgängerunterführung. Ich gehe die Treppe hinunter und dann dem Fussgängertunnel entlang nach unten. Der Weg führt mich tiefer, es sind immer weniger Menschen in der Unterführung, bis ich schliesslich ganz alleine vorwärts gehe.
Da ist ein ungeahnter Übergang, so was wie Vorhang aus Wasser, wie Luftflirren, und ich stehe auf einer wunderschönen Südseeinsel.
"Ich bin im Paradies," denke ich. Da treffe ich auf nackte Menschen, die ohne Scheu oder Scham auf mich zukommen. Sie reden mit mir, doch ihre Münder bewegen sich nicht. Erstaunt erkenne ich, dass ich mich mittels Gedanken mit ihnen unterhalte. Doch viel wird eh nicht gesprochen. Die Menschen erkennen die Bedürfnisse der anderen, noch bevor diese sie selbst erfasst haben. Da gibt es keinen Unterschied zwischen Mann und Frau, Kind und Erwachsene. Alle haben diese Gabe und handeln danach. Es gibt keinen Streit, keine Meinungsverschiedenheiten. Fürsorge wird gelebt, von allen für jeden, immerwährend, ohne Verlangen oder Forderung. In meinem Kopf kreist nur mehr ein Wort: Harmonie. Ich werde von diesem Sein erfasst und mein Herz fliesst über. Alles wird kinderleicht.

Plötzlich am Horizont schnell aufziehende Kriegsschiffe. Sie sind mit der Japanischen Kriegsflagge des zweiten Weltkrieges gekennzeichnet, sind ganz grau. Feuer speit aus den Kanonenrohren, Geschosse schlagen auf der Insel ein, Menschen- und Palmenkörper bersten. Messerscharfe Splitter fliegen durch die Luft und durchtrennen Körperteile. Eine Hand eines Erwachsenen fällt vor meine Füsse. Ohrenbetäubender Lärm, den Verstand fressend. Schreiende Menschen, doch ich kann sie nicht hören. Irgendwie ist da plötzlich ein Maschinengewehr. Zwei Männer und ich schiessen damit auf die Schiffe, was gänzlich wirkungslos bleibt.

Jetzt erinnere ich mich. Der Tunnel, die Rettung! Ich weiss einen Weg! Wir rennen los, viele gehen durch dass Luftflirren in den Fussgängertunnel hinein, ich und die beiden Männer erreichen den Tunnel als Letzte. Hinter uns fällt dieser in sich zusammen und treibt uns vorwärts. Längst habe ich die anderen aus den Augen verloren. Die Treppe hoch, nach draussen auf die St. Jakobskreuzung! Ich nehme wahr, wie die anderen Geflohenen in verschiedene Richtungen entschwinden und sich auflösen. Ich stehe alleine.

Ein Mann kommt auf mich zu. Ich erkenne ihn und doch weiss ich nicht, wer er ist. Er fragt mich:“ Und nun?“ Ohne zu überlegen antworte ich:“ Jetzt werde ich Pfarrer“.
Im dem darauf folgenden Dämmerzustand zwischen Traum und Wachzustand hallt dieser Satz nach und „Pfarrer“ verwandelt sich in „Seelsorger“.


Aus „Seelsorger“ wurde in den folgenden Jahren „Sozialarbeiter“, was ich dann auch wurde.
Viele Jahre suchte ich nach diesem Mann im Traum, bevor ich die Suche aufgab. Das Buch,welches ich 1994 in einer Buchhandlung in der Hand hielt, war Michael Harners Buch "Der Weg des Schamanen". Der Titel sagte mir absolut gar nichts, das Foto des Autors jedoch sehr wohl. Es war der Mann aus meinem Traum, wenn auch älter, grauer, fester und mit weniger Haaren als damals im Traum.
Ich war elektrisiert, kaufte das Buch und fand hierin endlich die Erklärung für das, was ich schon immer erlebt hatte. Ich fing sofort an zu reisen - denn spontane Reisen, oder Reisen in Nachtträumen hatte ich bis dahin schon viele gemacht. Die im Buch beschriebene Technik half mir sehr, die angstmachenden, ungewollt und spontan auftretenden Reisen und Visionen einzudämmen.

Im Mai 2005 war es mir vergönnt, Michael Harner während einer von ihm geleiteten Kurswoche persönlich kennen zu lernen. Ich erzählte ihm meinem Traum. Er meinte nur:“ Erstaunlich. Hast du öfters solche prophetischen Träume?“.
Damit war dieses Traum-Erlebnis rund für mich.