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Samichlaus

© Adrian Osswald (bitte "zum Geleit" lesen)

 
 
Werte Besucherin, werter Besucher

Sicherlich sind Sie über das Intro meiner Homepage gestolpert. Die eine oder andere mag sich pikiert abgewendet und schnell das Weite des WWW gesucht haben. Dies ist recht so, denn humorlose Menschen – auch schamanisch orientierte – brauchen hier gar nicht rumzustöbern. Andere werden sich gedacht haben, naja, ist halt grad Weihnachten rum und der Adrian hat’s da voll erwischt. Ist nicht ganz falsch, aber auch nicht richtig.

Beim Intro steht nämlich geschrieben: Schamanentum, ein persönlicher Lebensweg. Und der Santa, welcher durch den Schornstein rutscht, hat was mit meinem Lebensweg zu tun. Diese Geschichte möchte ich hier gerne wiedergeben.
(Dies stand so auf der alten Homepage vor 2006. Das Intro war eine kleine Animation mit einem Weihnachtsmann).
 

1996 von Grossvater Saryglar zum ersten Mal aufgefordert, mir einen Schamanenumhang zu machen, weigerte ich mich beinahe 10 Jahre standhaft, einen solchen anzufertigen, obwohl ich damals sofort wusste, wie er aussehen sollte. Seine Erläuterungen dazu, wie er einen solchen Anzug für mich sah, stimmten mit meiner Vision davon überein. Jedoch: Auch seine wiederholte Aufforderung fruchtete da wenig, zu fremd und nicht hierher gehörig empfand ich einen solchen Schamanenanzug. 2001 sprach er mich bei meinem Besuch bei ihm in Tuva das letzte Mal konkret darauf an, danach nie mehr. Er verstarb 2003. Und irgendwie meinte ich, dass dieses Thema damit gegessen sei.

2005 konnte ich durch glückliche Umstände an einer mehrjährigen schamanischen Ausbildung teilnehmen. Geld hatte ich keines, doch ein Mäzen bezahlte mir die Gebühren. Es ergab sich da, dass die Ausbildungsleitung den Teilnehmenden von einem Ausbildungsblock zum nächsten Aufgaben erteilten. Eine davon war, dass wir uns ein Geistkleid anfertigen sollten. Da war es wieder, mein ungeliebtes Thema und ich stand vor der Entscheidung, einen solchen Anzug anzufertigen – oder die Ausbildung zu verlassen. Möglicherweise hätte ich das Zweite gewählt, wenn ich selbst die Ausbildung bezahlt hätte. Ich brachte es aber nicht übers Herz, meinem Mäzen darüber zu unterrichten, dass er das Geld nun vergebens für mich aufgebracht hatte und ich wegen eines Gewandes die Ausbildung abbrechen wollte. So entschloss ich mich vorerst widerwillig, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Es ging mir jedoch dermassen gegen den Strich, dass ich ernsthaft überlegte, in den nächsten Kostümverleih zu gehen und mit einem Samichlaus-Chleid (schweizerisch für Sankt Nikolaus Kleid) im nächsten Ausbildungsblock zu erscheinen. 

Ich war dermassen mit dieser Idee beschäftigt, dass ich dadurch auf interessante Hinweise stiess. Ich erkannte, dass die Idee des Samichlaus-Chleides als Geistkleid gar nicht so abwegig war. Unter anderen wurde ich auf einen Film aufmerksam, welcher in einer Co-Produktion von BBC Worldwide Televison und dem Discovery Chanel entstand und 1998 von NDR Naturfilm in eine deutsche Fassung gebracht wurde (
http://ftvdb.bfi.org.uk/sift/title/583271 ). „Der Treck der Rentiere“ erzählt über das Leben der Samen im hohen Norden Europas und ihre Abhängigkeit von den Rentieren. Rentiere waren und sind in der Kultur der Samen derart wichtig, dass sich dies auch in der Götterwelt und ihrer Entstehungsgeschichte der Erde niederschlägt. Jubmel (Radienattje), der höchste aller Götter, erschuf am Rande eines grossen Gewässers die Erde aus einer Renkuh. Ihre Adern wurden zu Flüssen, ihre Knochen zu Stein und ihr Fell zu Wäldern. Sami-Schamanen fuhren während ihren schamanischen Reisen auf einem Schlitten durch die Lüfte zu den Göttern, von wo sie Freude, Rat und Heilung zurückbrachten. Der Schlitten wurde dabei von einem weissen Rentier gezogen.

Die Samen feierten und feiern auch heute noch das Fest der Wintersonnenwende im Dezember (um den 21.12.). Dabei warteten sie auf den Noaidi, den Schamanen, der mit dem Schlitten – gezogen von einem weissen Rentier - angereist kam. Dadurch, dass der Eingang zur zeltartigen Unterkunft oft durch Schnee blockiert war, stieg er übers Dach durch das Rauchloch zu den wartenden Menschen hinunter und brachte seine guten Gaben mit.
In den Vorweihnachtstagen des Jahres 1822 schrieb Clement Clarke Moore, Professor an der Columbia Universität von New York, für seine Kinder eine Weihnachtsgeschichte. Sie erzählt von Santa Claus, der von Haus zu Haus zieht, um die Kinder zu beschenken. Seinen Schlitten ziehen fliegende, weisse Rentiere. Santa Claus wohnt im hohen Norden. Ob Moore die Geschichte der Samen kannte, ist ungewiss.
Der Santa Claus Boom unserer Zeit wird jedenfalls ihm zugeschrieben, auch wenn seit dem Jahr 2000 das Werk einem Major Henry Livingston, Jr. zugeordnet wird (Quelle:
http://www.tetti.de/X-MAS/clemens-clark-moore.html ).

Nach diesem emotional-geistigen Auflehnungsausflug nach Lappland und zu Santa Claus fand ich dann ohne Weiteres die richtigen Zutaten zu meinem mir schon seit 1996 bekannten Schamanenkleid. Heute dient es mir hauptsächlich im Ritual „die Weisse Eule“, welches mit der Entstehungsgeschichte des Gewandes und meinem inneren Kampf dagegen eins zu eins verbunden ist.