•  
  •  

Professors Skeps Email

© Adrian Osswald (bitte "zum Geleit" lesen)

 
 
Professor Skeps, im Juni 2005 (schreibe nicht!)


Lieber Adrian,

Gerade habe ich deine Webseite durchgesehen: Du hast ja viel Arbeit investiert. Zu den einzelnen Inhalten möchte ich nicht Stellung nehmen.

Auch ich kenne Saryglar sehr gut und ich muss dir sagen, dass diese Darstellung deines Ego nicht in seinem Sinne sein kann. Ich kenne ihn seit vielen Jahren, persönlich, schamanisch (er hat unter anderem meine Trommel geweiht) und ich war wohl mit den anderen der Tuvagruppe 2003 einer der letzten, die bei ihm zu Hause waren und ihm vielleicht mit geholfen haben – soweit das bei ihm überhaupt nötig war – sich auf seinen letzten Weg vorzubereiten. Doch darum geht es mir gar nicht.

Lies doch bitte einmal deine Seiten durch und zähle zum Beispiel mal ab, wie oft du “Ich” sagst oder deine Person auftaucht und daher wichtig ist. Wenn jemand über sich selbst schreibt, dann ist er sich auch entsprechend wichtig. Ganz einfach und klar gesagt: mein Eindruck ist, dass du im Mittelpunkt stehst. Du bist der große Schamane und Saryglar ist das Aushängeschild. 

Immer habe ich ihn als demütigen und – im Gegensatz auch zu vielen anderen tuvinischen Schamanen - zurückhaltenden und gleichzeitig zugewandten Menschen erfahren, der in seiner schamanischen Arbeit dienen wollte. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Und deshalb – als mich Andere drängten, doch auch eine Webseite zu machen, tauchte in einer Reise Saryglar auf und machte seine Witzchen und ich schämte mich. Ich habe dann Abstand genommen von einer Website und ich denke, dass das gut ist. Wenn Klienten zu meiner Frau und mir kommen, dann haben sie von irgendjemand gehört, dem wir helfen konnten. So denke ich – sollen wir arbeiten.

Was du über Saryglar schreibst und eigentlich mehr über dich als ihn, über deine Erlebnisse, empfinde ich als so intim und daher eben auch peinlich und dann ist das nächste Gefühl: er bläst sich auf, das alles ist unecht. Es kommt doch ganz darauf an, wo und wie und in welchem Zusammenhang man etwas schreibt oder erzählt. Im Freundeskreis, im Kreis von Gleichgesinnten oder ungefragt im Web  zur Selbstdarstellung. Und letzteres empfinde ich. Warum kannst du nicht in aller Stille zu dem stehen, was du mit Saryglar erlebt hast? Ich bin nun halt ein kritischer Mensch und ich weiß nicht, ob es bei dir so ist. Aber ich habe oft erlebt, dass schamanische Reisen das eigene Ego widerspiegeln – eben dann, wenn sie nach aussen getragen werden und deshalb stehe ich solchen Veröffentlichungen sehr kritisch gegenüber. Ausserdem glaube ich nicht, dass solche Inhalte Menschen überzeugen können, sondern die Esoecke ist nicht weit. Entschuldige meine vielleicht dich kränkenden Worte und Kritik. Ich schreibe dir das alles so einfach und klar, weil ich mich mit dir wie mit allem anderen verbunden fühle. Ich wünsche, dass es helfende Worte sind und vielleicht - wie gesagt – sehe ich auch alles viel zu kritisch und andere denken anders darüber.

Und noch was: Ich hoffe, dass du ihn richtig und recht verstanden hast, dass du adoptiert geworden sein sollst und er dir mitgeteilt haben soll, dass du deine fantastischen Ego-Geschichten ungefragt veröffentlich sollst. Die kulturellen Unterschiede sind doch so gross, dass ich sehr vorsichtig in den Interpretationen sein würde.

Sein Erbe ist Bescheidenheit und die Einsamkeit des Wissenden und für uns bleibt die Ehrfurcht und Dankbarkeit, dass er uns begegnet ist. 

Ganz herzliche Grüsse
Dein Professor Skeps