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Es gibt sehr viele Beschreibungen im Netz, was ein Schamane ausmacht. Das ist wichtig, weil es erklärt, was ein Schamane nicht ist. Auch ich werde mich selbstverständlich an eine Definition wagen, doch zuerst möchte ich hier jemanden anderen zu Wort kommen lassen, welcher meiner Meinung nach vortrefflich das Wesen eines Schamanen oder einer Schamanin beschreibt.


"Ich war da in vielen Erscheinungsformen, ehe ich die mir gemäße Gestalt fand.
Die schmale Schwertklinge war ich und bin die vergoldete Lanze gewesen.
(Und werde sie wiedererlkennen, wenn sie sich mir von neuem zeigen.)
Ich war ein Regentropfen in der Luft und war ein leuchtender Stern am Himmel.
Das Wort in einem Buch war ich und bin im Beginn ein Buch gewesen.
Ich war das Licht in einer Lampe, dreimal in Folge, je eine Zeit.
Eine Brücke war ich und spannte mich über dreimal zwanzig Flüsse.
Als Adler kreiste ich in den Lüften und durchpflügte als Schiff das Meer.
In der Schlacht führte ich die Krieger, war das Band an der Windel des Säuglings.
Das Schwert in einer Hand war ich und das Schild im Kampf.
Eine Harfensaite bin ich gewesen, neun Jahre lang, dann vom Zauber gebannt für ein Jahr in das Gischten des Meeres.
Ich war der Schürhaken im Feuer und war ein Baum tief im Dickicht.
Nichts existiert, mit dessen Wesen ich mich nicht verbunden hätte.
Wasser und Schaum bin ich gewesen, ebenso der Schwamm, der im Feuer glüht.
Bin in der Tat ein geheimnisvolles Holz."




Was ein Schamane ist, darüber gibt es etliche Meinungen und ich gebe hier die meine wieder.
Schamane ist ein Mensch mit einer überdurchschnittlichen spirituellen Begabung, welcher einen Weg in die Welt der Träume, in die nichtalltägliche Wirklichkeit kennt. Er kann diesen Weg bewusst zum Nutzen anderer und sich selbst gehen, um in dieser normalerweise verborgenen Wirklichkeit zum Wohl aller zu wirken. Er wird aus dieser verborgenen Welt in unsere alltägliche Wirklichkeit mit Rat, Kraft und Heilung zurückkehren. So wirkt ein Schamane oder eine Schamanin.
Danach ist er oder sie wieder ein ganz normaler Mensch, mit ganz normalen Bedürfnissen und Lebensanforderungen.


Diese Begabung macht den Schamanen oder die Schamanin nicht automatisch zu einem guten Menschen, einem einfühlsamen Menschen, einem ethisch, moralisch und politisch korrekten Menschen. Es ist nur eine Begabung, mehr nicht.
Schamanen sind keine Heiligen, weil sie Schamanen sind. Aber der ernsthaft gegangene Weg könnte aus Schamanen durchaus Heilige machen. In meinen Augen ist es überaus wichtig, diese Unterscheidung zu machen, weil Schamanentum ein Weg ist mit ausserordentlichen Zuständen des Schamanisierenden und kein Dauerzustand von ethisch, moralisch und politisch korrekten Verhaltens.



Schamanisch Tätige sind in der Regel Menschen mit einer durchschnittlichen spirituellen Begabung, die sich schamanische Techniken auf die eine oder andere Art angeeignet haben und diese auch praktizieren. Als schamanisch Tätige bezeichnen sich viele Menschen, die hier in der hochindustrialisierten Welt durch Kurse mit diesen Techniken in Berührung gekommen sind. Anhand dieser Techniken eröffnet sich ihnen der eigene Zugang zur spirituellen Welt und zu einem möglicherweise mit anderen Auffassungen übereinstimmenden, schamanischen Weltbild. Sie können wie Schamanen diese Möglichkeiten zum eigenen Wohle oder für das Wohl Anderer nutzen.

„Schamanisch Tätige“ als stehender Ausdruck wird oft verwendet, um sich selbst und sein Tun von „Schamanen“ abzugrenzen. Meist wird damit zum Ausdruck gebracht, dass „Schamanen“ im Gegensatz zu „Schamanisch Tätigen“ aus anderen Kulturen stammen und „Schamanisch Tätige“ nicht deren kulturell und religiös geprägten schamanischen Rituale machen müssen, um erfolgreich helfen zu können.

Hin und wieder wird damit ausgedrückt, dass „Schamanen“ mehr können als „Schamanisch Tätige“.  



Wenn Schamanentum die gelebte Fähigkeit ist, die verborgene Wirklichkeit Problem lösend aufzusuchen und entsprechend zu wirken, dann sind Menschen, die das können, Schamanen und Schamaninnen. Wie wir beobachten können, gibt es jedoch enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Exponenten innerhalb der Kategorien „Schamanisch Tätige“ und „Schamanen“. Diese Unterschiede sind nicht unbedingt der einen oder der anderen Kategorie zuzuordnen, sondern sind innerhalb einer Kategorie erkennbar. So gibt es mehr oder weniger begabte „Schamanisch Tätige“ und eben auch mehr oder weniger begabte „Schamanen“.

Das, was innerhalb beider Kategorien den Unterschied ausmacht, ist der Grad der Begabung. Es gibt die durchschnittlich spirituell Begabten, die überdurchschnittlich spirituell Begabten und die spirituell Hochbegabten. Die Technik alleine macht weder kraftvolle Schamanen noch kraftvolle Schamanisch Tätige, sondern allein die gelebte Begabung.

Mir ist es in Endeffekt egal, ob sich ein spirituell überdurchschnittlich Begabter „Schamanisch Tätiger“ oder „Schamane“ nennt oder so genannt wird. Die Unterscheidung jedoch, dass die Anwendung einer Technik noch lange nichts mit einer Begabung zu tun hat, die ist mir wichtig. Schamanen aus anderen Kulturkreisen durchleben oft eine sogenannte „Schamanenkrankheit“, bevor sie die von ihren Göttern oder Geistern ihnen zugedachte Aufgabe annehmen. Solche Erkrankungen erkenne ich auch hier in Mitteleuropa. Es gibt sie auch hier, diese „Schamanenkrankheiten“, nämlich dann, wenn jemand seine überdurchschnittliche oder hohe spirituelle Begabung nicht leben kann oder leben will. Das erzeugt ungeahnt heftige Reaktionen körperlicher oder psychischer Art und wird für die Person selbst und seine Umwelt zum „Problem“, solange, bis die Begabung erkannt und nutzvoll angewendet wird.

Da im Zusammenhang mit dem Ausdruck „Schamanisch Tätiger“ allgemein die Auffassung vertreten wird, dass Jeder schamanische Techniken erlernen und anwenden kann, schliesse ich daraus, dass mit Jeder eben die durchschnittlich spirituell Begabten gemeint sind.

Im Gegensatz dazu wurden „Schamanen“ immer als überdurchschnittlich gesehen, als von Göttern oder Geistern ausgesucht. Schamanen lebten und leben ihre überdurchschnittliche Begabung. Es käme ihnen kaum in den Sinn, dass sie „nur“ Techniken anwenden.

 
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